(UN)GERÜSTET ZUM LEBENSKAMPF (2019)

Das Projekt im Kontext von ‚Bauhaus100‘ in Krefeld verbindet Elemente des Swingtanzens mit der Archaik des Boxens, um die Utopie des Bauhauses ebenso wie unsere Gegenwart zu befragen. Im Zentrum der installativen Performance steht ein Buzzer aus dem Kontext von Quizshows. Damit performative Sequenzen im Raum passieren, muss jemand der Zuschauer*innen ihn betätigen. Hörbar wird dann Swing, einige Performer*innen treten hervor und tanzen gekonnt, auch die Zuschauer*innen können nach Belieben einsteigen. Die Swingsequenzen dauern einige Momente an, brechen dann ab und werden erst auf erneuten Knopfdruck fortgesetzt. Aus den Tanzsequenzen schält sich allmählich ein Boxkampf heraus, der den Mechanismus des Buzzerdrückens mit realer Gewalt kurzzschließt und mehrere gesellschaftliche Fragen aufwirft. Auch zur Fortsetzung des Boxkampfs muss stets der Buzzer gedrückt werden. Die Zuschauer*innen sehen sich in einen Dissens verwickelt, ihre Schaulust zu befriedigen oder durch ausbleibendes Buzzerdrücken das Ende der Aufführung zu verantworten – sie müssen sich selbst aktiv zu Fragen der Solidarität verhalten.

Regie: Sebastian Blasius / Installation: Ralf Ziervogel / Sound: Bojan Vuletic
Performance: Miriam Arnold, Alina Reißmann, Jakob Boeckh, Gabriel Carneiro, Adrian Sky Karategin, Gabriel Ruscic

VANITAS (2017/18)

Nach CHIMAIRA (2016) ist VANITAS eine weitere installative Performance für eine/n einzelne/n Zuschauer*in. Alle 30 Minuten betritt ein Besucher den Aufführungsraum. Zuvor bekommt er ein Armband angelegt, mit dem sein Puls laut hörbar wird. Im Raum befindet sich eine lange Tafel, an der bereits zahlreiche Personen sitzen, am Kopfende ist noch ein Platz für den Besucher frei. Die Personen am Tisch bewegen sich im Takt der Pulsfrequenz des Besuchers, sie schauen ihn eindringlich an, Texte werden gelesen, so zur Niederbrennung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg. Nach und nach stehen die Darsteller auf und verlassen den Raum, bis der Besucher am Ende allein bleibt und auch sein Puls verstummt. VANITAS ist ein Kammerspiel und imaginäres Tischgespräch über Zugehörigkeit, Identität, Werden und Vergehen in Zeiten der Globalisierung.
Die Arbeit wurde ausgezeichnet mit einem der GROUND SUPPORT-Preise des NRW Kultursekretariats im Rahmen des FAVORITEN Festivals 2018.

Regie: Sebastian Blasius // Sound: Klaus Janek // Mit: Norman Grotegut, Silvia Westenfelder, Anna Kempin, Thomas Nellen, Eloisa Arreola, Alina Reissmann, Vincent Wodrich, Florin Engels, Miriam Arnold, Nicolay Kaps, Hannah Sampé, Jonathan Tillmann, Lino Jötten

„Am eindrücklichsten spielt ‚Vanitas‘ mit der Unsicherheit des Betrachters als mit etwas, das sich im Puls niederschlägt, körperlich. Die große Qualität liegt dabei in den Details. (…) ‚Vanitas‘ reiht sich nicht einfach in die Serie >immersiver< Theaterarbeiten ein, es löst sie vielmehr zugleich – von innen – auf. (…) (Es lässt) uns den irreduziblen Rest unserer unauflösbaren Andersheit erfahren. (…) Von dieser Erfahrung her müsste (…) jedes sich immersiv nennende Theater (…) neu beleuchtet werden.“
Theater heute

„Unsicherheit überrollt einen. Die dann erklingenden Texte verstärken das Gefühl der Überforderung noch einmal.“
Theater der Zeit

„So schreit ‚Vanitas‘ einen mit all seinen klugen Referenzen und choreografierten Effekten an, wie sehr man sich schuldig macht durchs stumme Dasein (…).“
Kölner Stadt-Anzeiger