DAS KOMMENDE VERSCHWINDEN (2017)

Preenactment einer fiktiven Konferenz von Sebastian Blasius

6. + 7. Oktober 2017

15:00 bis 22:00 Uhr im schwere reiter und PATHOS Atelier, München

ZUM PROJEKT
Wir schreiben das Jahr 2045 und befinden uns in einer Dystopie: Der Rechtspopulismus hat die Oberhand gewonnen und linke Positionen an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt; nicht enden wollende Migrationsströme führen zu einer Abschottung Europas und ausufernden Auffanglagern an den Außengrenzen; Terrorismus ist zum Alltagsphänomen geworden und die Digitalisierung hat circa die Hälfte aller Arbeitsplätze ersetzt. Die Entwicklungen seit 2017 hätten für den Großteil der Bevölkerung nicht schlechter laufen können. All jene Privilegierten, die es trotz oder gerade wegen dieser Umstände zu etwas gebracht haben, ziehen sich in Gated Communities zurück. Alle anderen, die »Unnützen«, deren Fähigkeiten nicht mehr profitabel, deren Leben volkswirtschaftlich »wertlos« geworden ist, leben hochgradig prekär, nomadisch und oftmals wohnungslos.

Für »Das kommende Verschwinden« hat Sebastian Blasius sieben Wissenschaftler*innen u.a. aus Sozialwissenschaft, Migrationsforschung, Architektur, Technik und Philosophie eingeladen, sich das oben beschriebene Szenario vorzustellen. Aus der Perspektive ihres Faches halten die Forscher*innen nun einen Vortrag im Rahmen einer fiktiven Konferenz. Retrospektiv schauen sie von 2045 auf 2017 zurück und analysieren die Gesellschaft unserer Gegenwart: Was waren unsere Handlungsräume, die Dystopie zu verhindern? Welche Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten hatten wir, die wir übersehen haben – und warum? Welche Gefahren haben wir ignoriert, welche Optionen verpasst, welche Utopien gegen kurzfristiges Handeln eingetauscht? Wie gedenken wir all jenen, die den Kampf um ein einträgliches Leben verloren haben? Sechs Künstler*innen haben Entwürfe für ein fiktives Memorial erarbeitet, das an die Opfer dieser düsteren Entwicklung erinnern soll. Diese werden zeitgleich zur Konferenz im PATHOS Atelier zu sehen sein.

»Das kommende Verschwinden« ist eine interdisziplinäre Arbeit an den Grenzen von wissenschaftlichem Symposium, Theateraufführung und Bildender Kunst. Sie verwebt verschiedene Realitäts- und Fiktionsebenen und spielt gleichermaßen mit Elementen des Dokumentarischen sowie der Fiktion.

PROGRAMM

Der Einlass befindet sich im PATHOS Atelier
Pathos ATELIER
15:00 – 22:00 Ausstellung der Memorialentwürfe zum Gedenken an all jene, die den Kampf um ein einträgliches Leben verloren haben.

Mit Entwürfen von: Artúr von Balen, Frank Campoi, Elisabeth Maier/Ralph Drechsel, Manaf Halbouni, Christoph Korn, ongoing project

schwere reiter
16:00 – 16:15 Begrüßung / Einführung

16:15 – 17:00 PD Dr. Michael Hirsch, Politikwissenschaftler, München
Self-fulfilling prophecies – Dystopische Zukunftsbilder vom Kampf aller gegen alle

17:00 – 17:45 Ceren Türkmen, Migrationsforscherin, Gießen
Flucht aus Europa: Von der Zerschlagung der Kanaksta-Rebellion zur Neuerfindung der weißen Rasse (2017 – 2047)

17:45 – 18:00 Pause

18:00 – 18:45 Prof. Dr. Knut Ebeling, Archivforscher, Berlin
2045 – Das Gedächtnis der Gegenwart

18:45 – 19:30 Prof. Dr. Klaus Mainzer, Experte für Big Data und Künstliche Intelligenz, München
Technisch-wissenschaftlicher Alltag 2045 diesseits und jenseits von Utopie und Dystopie

19:30 – 20:15 Dr. Saskia Hebert, Stadtforscherin/Architektin, Berlin/Braunschweig
Infra Muros: Liminale Räume und das Verschwinden des Außen

20:15 – 20:30 Pause

20:30 – 21:15 Georg Dickmann, Experte für Science Fiction und Posthumanismus, Berlin
Narkopolis 2045. Was bleibt nach dem pharmakopolitischen Regime?

21:15 – 22:00 Dr. Asiem El Difraoui, Politologe/Filmemacher/Terrorismusforscher, Paris
Das blutende Meer – Zum Clash of Civilisations zwischen der arabisch-islamischen Welt und den Vereinigten Staaten von Europa

Performer*innen: Anne Tismer, Mélanie Fouché u.a.

TEAM
Konzept & Regie: Sebastian Blasius
Co-Autorin: Saskia Hennig von Lange
Raumgestaltung: Frank Campoi
Video: Eric Berthiaume
Dramaturgie & Grafik: Daniel Franz
Technische Leitung: Andreas Rehfeld
Produktionsassistenz: Arne Schirmel
Choreografische Mitarbeit: Nuria Hoeyng
Pressearbeit: Kathrin Schäfer KulturPR

Gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München