DIE RINGE DES SATURN (2024)

Junger Mann mit Maske auf Hocker, Diaprojektor im Hintergrund

Ein Live-Hörspiel für die Kunstkirche Pax Christi in Krefeld: Eine Textcollage aus individuellen Erinnerungen, historischen Ereignissen und Fiktionen spannt sich durch den Kirchenraum und taucht hiesige Kunstwerke in neues Licht. Man hört Stimmen von Kirchenbesucher:innen, die persönliche Verluste reflektieren – diese beginnen sich allmählich in Beschreibungen von Fossilien zu spiegeln, die man bei Ausgrabungen im Anröchter Steinbruch findet, aber auch in Geschehnissen während des Bürgerkriegs in Guatemala. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Erfahrung der letzten Jahre, dass sich Ereignisse immer weniger von anderweitigen Prozessen ablösen lassen: Kapitalistische Naturausbeutung verursacht eine Pandemie, die wiederum eine Vielzahl von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Implikationen nach sich zieht. Entsprechend stellt das Live-Hörspiel weiträumige Verknüpfungen zwischen den künstlerischen Arbeiten im Kirchenraum und anderen Orten, Zeiten und Kontexten her. Seine poetische, mehrdeutige Form versteht sich als Stimulation wie Durchschneidung der Imagination, durch die die Kunstwerke in Pax Christi überraschend perspektiviert werden.

Text/ Regie: Sebastian Blasius / Mit: Mélanie Fouché, Nicolas Schwarzbürger / Sound: Tilman Kanitz

„Das Live-Hörspiel von Sebastian Blasius in Pax Christi ist ein Ereignis. (…) Die Sprache, die evozierten Bilder springen uns in den Nacken, kriechen uns in die Köpfe, setzen sich in unseren Gedanken fest. Eine Litanei des Schreckens. (…) Wie eine zweite Natur schreibt (die Gewalt) sich in die Kunstwerke ein, wird zur fast unausweichlichen Naturgeschichte, zur schrecklichen Rückseite unserer Zivilisation. Nur schwer sind die Protokolle der Folter, der Hinrichtungen und Vergewaltigungen zu ertragen, sie setzen sich in den Gedanken fest. Wie dunkle Schattenspiele eröffnen sie neue Perspektiven auf die ausgestellte Kunst.“ (Westdeutsche Zeitung)

Methodenlabor zu einem ‚postsouveränen Theater‘ (2024)

Gekrümmter Baumstamm mit Krücke gestützt

Im Jahr 2024 war Sebastian Blasius Stipendiat der Kunststiftung NRW: Im Modus des Künstlerischen Forschens konnte er die Entwicklung eines ‚postsouveränen Theaters‘ fortführen. Ausgangspunkt ist der Zweifel, ob das westliche Theater den gegenwärtigen disruptiven Bedingungen noch Rechnung tragen kann: Das handlungsmächtige Individuum als Dreh- und Angelpunkt, das sich durch den Raum bewegt, als gehöre dieser ihm, dies alles in chronologisch gehandhabter Zeit, in stimmig komponierten Bildern, mit Zuschauenden, die das Geschehen souverän überblicken. Finden sich in alldem nicht Mechanismen, die Verletzbarkeit und tektonische Verschiebungen eher kaschieren? Im Rahmen des Stipendiums arbeitete Sebastian Blasius folglich an der Methodenentwicklung zu einer Theaterästhetik, die die Bausteine einer Aufführung grundlegend von Fragilität und Unsouveränsein ausgehend handhaben. Im Fokus standen fünf Konstituenten des Theaters: Subjekte auf der Bühne, Umgang mit Raum, Zeit, Bildlichkeit und Zuschauenden. Konnte mit der Aufführung SCHIFFBRUCH MIT ZUSCHAUENDEN (Fünf Etüden) im Jahr 2022 bereits ein erster Zwischenstand dieser Auseinandersetzung abgebildet werden, ließ sich dank des Stipendiums das Instrumentarium für eine derartige Theaterästhetik weiterentwickeln, auf der zukünftige Arbeiten in unterschiedlicher Weise basieren können.

Kompliz:innen der Recherche: Johanna Ackva, Hauke Heumann, Ulrike Haß, Rolando Vázquez, Bojan Vuletić u.a.

unter dem eis (2023)

Weißer Raum, Stuhlkreise, Personen, Violoncello

Ein installatives Konzert von Sebastian Blasius und Tilman Kanitz

Konzentrische Stuhlkreise, ein Cellist, Stimmen aus Lautsprechern, die teils dissonante, teils absurde, teils zutiefst rätselhafte Bilder evozieren. In den letzten Jahren prägte uns zusehends die Erfahrung, wie unser westliches Selbstverständnis bröckelt – viele haben weder mit dem Ausmaß der Pandemie noch dem des Krieges in der Ukraine gerechnet. Vielleicht müssen wir eine neue Wahrnehmung erlernen, um das Ungewisse zu antizipieren? Das installative Konzert ‚unter dem eis‘, realisiert von dem Regisseur Sebastian Blasius und dem Musiker Tilman Kanitz, lotet das Verhältnis zwischen dem Bestehenden und dessen Erosion aus. Grundlage dafür sind eine elektronisch um ein vielfaches verlangsamte Sarabande für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach, ebenso Lyrik des Frühexpressionisten Georg Heym. Die Arbeit läd dazu ein, mittels Imaginations- und Assoziationsprozessen über unsere Gegenwart und darüber hinaus zu reflektieren.

Regie: Sebastian Blasius, Tilman Kanitz // Mit Stimmen von: Mélanie Fouché, Ernstalbrecht Stiebler, Sigal Zouk u.a.

„(Es sind) verwirrende, klirrendkalte und oft schmerzende Bildwelten, die Blasius und Kanitz aufgreifen und buchstäblich zum Klingen bringen, (…) bis nur ein Wort übrigbleibt , bis auch dieses Wort seine Sinnhaftigkeit verliert in der ständigen Wiederholung und zum reinen Klang verfällt. So werden die Zuhörenden Zeuge der Erosion, sie erleben die Zersetzung, den Zerfall, den Verlust in der eigenen Hörerfahrung. (…) Gegen Ende, als die Wörter „vergessen“ und „Haut“ sich eingeprägt haben, (…) übertönen Cello-Klänge das Rauschen aus den Lautsprechern, (…) fügen alles Gehörte und Erlebte zu einem faszinierenden Ganzen.“ (Rheinische Post)

LYCAON (2023)

Personen agieren im Ausstellungsraum

Wir sind tolerant. Wir sind zivilisiert. Wir sind fortschrittlich. Wir sind aufgeklärt. Wir sind… Unser westliches Selbstbild wurde zuletzt durch Ereignisse wie die Pandemie, den Ukrainekrieg, den Klimawandel herausgefordert: Vielleicht sind wir nicht die, die wir zu sein glauben, und vielleicht bietet unser Selbstbild kein hineichendes Instrumentarium für mögliche Zukünfte. In Ovids ‚Metamorphosen‘ wird der Arkadier Lycaon von Zeus in einen Wolf verwandelt, nachdem dieser ihm Menschenfleisch auftischte – als bilde die veränderte Identität sein Dasein trefflicher ab. Die Performance LYCAON begibt sich auf die Suche nach Verwandlungen und alternativen (instabilen) Identitäten, die auch uns ganz gut zu Gesicht stehen könnten. Sie findet statt im Rahmen der Ausstellung „It’s Human Nature?“ im Kunstverein Harburger Bahnhof und tritt dort mit weiteren künstlerischen Arbeiten in Korrespondenz.

Regie: Sebastian Blasius // Mit: Mila Safavi, Anton Römer, Clara Schwinning, Theresa Schultz-Ninow, Ronald Radusch, Nadja Bruder

SCHIFFBRUCH MIT ZUSCHAUENDEN (Fünf Etüden), 2022

Darsteller auf Bühne mit hellen Stoffwänden

Regie: Sebastian Blasius // Text: Björn SC Deigner // Raum/Kostüme: Caspar Pichner // Assistenz: Melina Brinkmann // Performance: Katja Gaudard, Hauke Heumann, Johanna Ackva, Katharina Shakina // Kompliz*innen: Ulrike Grossarth, Jörn Etzold, Julia Schade, Ulrike Haß, Marcus Quent

Die ursprüngliche Überlegung von Sebastian Blasius für „Schiffbruch mit Zuschauenden (5 Etüden)“ war, dass alle Bestandteile des westlichen Theaters von Grund auf in Macht und Souveränität involviert sind. Sei es die Heldenfigur, die als handlungsmächtiges Individuum den Gang der Dinge entscheiden muss; oder wie linear Zeitlichkeit auf der Bühne verhandelt wird und wie damit Prinzipien fortgeschrieben werden, die von Prozessen der Ökonomisierung und Kolonialisierung nicht zu trennen sind. Sind derartige ‚Souveränitätseffekte‘ im Zuge der Klima- und Coronakrise, die uns unsere Fragilität vor Augen führen, noch zeitgemäß? Und wie lässt sich ein alternativer Umgang mit den Praktiken des Theatermachens finden – was wären stattdessen die Potenziale eines ‚Theaters des Unsouveränen‘?
Sebastian Blasius nähert sich mit seinem Team experimentell der Konfiguration eines solch alternativen Theatermodells. Zum Prozess gehörte die Erarbeitung von Texten mit dem Autor Björn SC Deigner. Sein Schreiben stellt den experimentellen Erprobungen auf der Bühne sehr konkrete Themen wie Ukraine, Europa und Flucht gegenüber. „Schiffbruch mit Zuschauenden (5 Etüden)“ will mit politischem Anspruch dennoch fragil bleiben; will den Blick verunsichern, um im Sehen eine Gemeinschaft der Verletzlichen zu suchen. Die Arbeit versteht sich als nicht weniger als eine ‚Operation am offenen Herzen‘ des Theaters.

„Die theatralen Welten, die sich in der Arbeit von Sebastian Blasius entfalten, haben das Potential dringende gesellschaftliche Fragen in ästhetisch-sinnliche Konstellationen zu verdichten, in denen sich ein andersartiges Denken ereignen kann. Daraus entstehen reflexive szenisch-chorische Landschaften, deren Rhythmus, Klang und Sprache jede Harmonie und Symmetrie aufbrechen und nach Antworten in den Trümmern der Repräsentation suchen. Als Künstler, der zwischen Medien und Diskursen mäandriert, schärft Blasius unseren Blick für jene Krisenszenarien der Gegenwart. Die Figur der Fragilität, die sich dabei performativ durchsetzt, ist die Signatur eines postsouveränen Theaters, dessen Gesten das Unregierbare ausloten und tradierte Grenzziehungen von Sein und Schein unterlaufen. Gleichzeitig ist es ist ein Theater radikaler Instabilität, ein Aufbruch ins Offene, Ungedachte und Unkalkulierte.“ (Dr. Andrej Mirčev, ZKM Karlsruhe)

FLOOD (2022)

Vier Jugendliche vor goldenen Rettungsdecken

An der Schnittstelle von Choreographie, Installation und Klangkunst thematisiert FLOOD das Thema des „Flutens“ als Daseins- und Protestform im Kontext von Globalisierung und Klimawandel. Die Arbeit im Berliner Humboldt Forum bezieht sich auch auf eine besondere Form des Protests in der Geschichte des Berliner Stadtschlosses: Gegen den Bau des ersten Schlosses im 15. Jahrhundert protestierten Berliner Bürger*innen, indem sie die Staudämme zur Spree einschlugen und die Baustelle unter Wasser setzten. In der Debatte um den Bau des Humboldt Forums als Rekonstruktion des Stadtschlosses und dessen politische Implikationen hätten sich manche einen ähnlich widerständigen Akt gewünscht. Haben Akte und Formationen des Flutens, (Durch)strömens und Verflüssigens heute noch ein widerständiges Potenzial, oder sind sie in Zeiten globaler Informations-, Finanz- und Datenströme längst selbst zu einer Form der Macht geworden? FLOOD, eine Durationalperformance, lotet die Potenziale und Ambivalenzen dieser Begriffe aus. Performer*innen sind 5 jugendliche Berliner*innen, die als Post-Millenials in besonderer Weise von gegenwärtigen und künftigen Fluten betroffen sind.

Choreographie: Sebastian Blasius, Felix Ofosu Dompreh // Sound: Ferdinand Breil // Performance: Paul Grabow, Ophelia Onyeukwu, Anna Moser, Ella Genrich, Cosima Kühn

absent wolves (2021)

Darsteller im Raum mit Baustellenlicht

Ein Projekt im Kontext von beuys2021: Stimmen aus der Stadtgesellschaft Düsseldorfs und Essens treffen auf nomadische Praktiken treffen auf Anleitungen zur Wolfsjagd. Wir haben uns an die abwesenden Wölfe gewöhnt, als Resultat ihrer gezielten Ausrottung: Mit dem Sesshaftwerden des Menschen wurde der Wolf zu unserem Konkurrenten erklärt. Seiner natürlichen Jagdgründe beschnitten, drang er in die menschengemachte Ordnung ein, bediente sich am Nutztierbestand. Wer hingegen könnten wir sein, wenn wir ein anderes, nicht beherrschendes Verhältnis zu unserer Umwelt entwickelt hätten, in der auch der Wolf koexistieren könnte? Das Performanceprojekt experimentiert mit neuen Formen des Kollektiven und Nomadischen und bezieht Stimmen von Bürger*innen Düsseldorfs und Essens mit ein: Welche alternativen Weisen des In-der-Welt-Seins sind für sie vorstellbar? Wie lebt es sich ohne Wölfe? Die Arbeit ist installativ angelegt, Zuschauer*innen können den Zeitpunkt ihres Kommens und Gehens während der fünfstündigen Dauer frei wählen.

Konzept/Regie: Sebastian Blasius // Raumgestaltung: Ralf Ziervogel

Darsteller*innen/ Mitwirkende: Calvin-Noel Auer, Nadja Bruder, Fabian Hagen, Annelie Korn, Leon Rüttinger, Pujan Sadri, Clara Schwinning (Abschlussjahrgang »Schauspiel« der Folkwang Universität der Künste Essen/ Bochum)

BEUYS‘ KÜCHE (2021)

Darsteller auf Bühne mit abstrakten Objekten


Im Mai 1921 wurde mit Joseph Beuys einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts in Krefeld geboren. Zu seinem 100. Geburtstag lud das Theater Krefeld/ Mönchengladbach Sebastian Blasius ein, einen performancebasierten Theaterabend zu inszenieren, der an Beuys’ künstlerischen Kosmos anknüpft. Der Abend gliedert sich in drei Teile und kann als Eintritt in die Recherche zu einem ‚postsouveränen Theater‘ verstanden werden. Der erste Teil arbeitet an einer Dezentrierung des Humanen: Der Raum wird nicht mehr anthropozentrischen Perspektiven unterworfen, zur Disposition steht die Identität des Humanen selbst. Auf diesem fragilen Grund tritt in Teil zwei eine protagonistische Verkünderfigur auf, die auf Beuys und seine partielle Selbsterhöhung als Hirte, aber auch auf heutige, vermeintlich sinn- und identitätsstiftende Verkünderfiguren in ihrer Ambivalenz verweist. In Teil drei wird die Idee eines permanenten Gesprächs aufgegriffen, bei dem Gedanken zu gesellschaftlicher Veränderung modelliert werden, wie Beuys es bei der documenta 1972 versuchte. Hier allerdings handelt es sich eher um Schein-Gespräche: die Stimmen kommen wie von anderswo, die Identitäten der Sprechenden bleiben in der Schwebe. Über aktivistischem Furor erscheint der Polyeder aus Albrecht Dürers ‚Melencolia I‘.

Konzept/ Inszenierung Sebastian Blasius / Bühne/ Kostüm Caspar Pichner / Dramaturgie Martin Vöhringer / Text Christoph Klimke, Björn SC Deigner, Anne Tismer, Kaja Draksler u.a. / Mit Jannike Schubert, Eva Spott, Paul Steinbach, Philipp Sommer, Ronny Tomiska, Bruno Winzen

Die Uraufführung ist Theater im Sinne eines erweiterten Kunstbegriffs; keine Bühnenerzählung mit Figuren, die Identifikationsangebote machen, sondern ein vielstimmiger, installativer Diskursraum, vielleicht der Versuch einer Sozialen Plastik oder der Versuch, dem auf die Schliche zu kommen, was eine Soziale Plastik sein könnte. (…) „Beuys‘ Küche“ (ist) sowohl weit und lang nachhallende Echokammer als auch kritische Reflexion eines Künstlers, der keine klaren Grenzen zwischen Kunst, Leben, Politik und Spiritualität gezogen hat, dessen radikales Denken und Handeln bis heute Wellen schlägt. (…) Der Theaterabend könnte den klugen Anfang eines langen Gesprächs im Geiste einer Beuysschen „permanenten Konferenz“ bilden.
nachtkritik.de

CHÖRE DES SPEKULATIVEN (2020)

Zwei Personen vorn, zwei hinten vor grauer Wand

Im antiken Drama war der Chor zentrales Element auf dem Theater – er fand seinen Platz zwischen den Protagonist*innen und dem Publikum. Mit dem Theater der Neuzeit verschwand er tendenziell von den Bühnen und mit ihm die kommentierende oder infragestellende Stimme des Kollektivs. ‚Chöre des Spekulativen‘ mutmaßt, was der Chor zu den Texten und Szenen der Neuzeit zu sagen, wie er sich zu ihnen verhalten hätte, wäre er nicht von ihnen ausgeschlossen worden: Wie hätte er sich positioniert zum Theater des Barock, zum Theater der Aufklärung, wie zum Theater der Nachkriegszeit? Wie hätte er diese Szenerien, die zumeist das Individuum ins Zentrum stellen, kommentiert, wie sie konterkariert, wie hätte er ihnen beigewohnt? ‚Chöre des Spekulativen‘ lädt ein zur Begegnung mit einem Chor, der sich spekulativ-retrospektiv wesentlichen Stationen der Theatergeschichte annähert. Autor*innen aus Jordanien, Brasilien, China, der Türkei, Marokko, Burkina Faso, Griechenland und Deutschland schreiben nachträglich chorische Stimmen in stilbildende Szenen des ‚westlichen Kanons‘ hinein und perspektivieren sie dadurch neu. In einer szenischen Installation werden die Zuschauer*innen Teil einer mobilen Gemeinschaft, die ihre Perspektive(n) stetig neu wählen kann. 

Regie: Sebastian Blasius / Raum: Mark Lammert / Dramaturgie: Dirk Baumann / Licht: Jakob Boeckh

Mit: Berit Jentzsch, Leonard Dick, Alexandra Finder, Fabian Hagen, Maria Helgath, Brigitta Schirdewahn

Mit Texten von Ebru Nihan Celkan, Vinicius Jatobá, Amahl Khouri, Paul P. Zoungrana, Karima El Kharraze, deufert + plischke, Zhu Yi, Björn SC Deigner, Antigone Akgün, Sophokles, Henrik Ibsen, Jean Racine, Molière, Samuel Beckett, William Shakespeare, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller u.a.

„Eine hoch elaborierte, in seiner fragmentarischen Dichte kryptisch bleibende Sprech-Spiel-Choreografie ist daraus geworden, die Mythen und Stile zu verknüpfen sucht (…). Die Spieler gehen dabei immer gemäßigt, gezielt quer im leeren Raum umher, positionieren sich bedächtig zu Tableaus, schauen sich spannungsreich an und wippen ihre eigenen Rhythmen. Gesucht ist in allem der Chor der Vielen.“
Berliner Zeitung

„Die performative Spekulation über chorische Formen des Zusammenseins liest sich (…) als kritischer Kommentar über die beschädigte Gesellschaft des „Westens“, in der Begriffe wie Solidarität, Ethik oder Gerechtigkeit jede Bedeutung verloren haben und keinen Bezug mehr zur sozialen Praxis herstellen können. (…) (Es) stellt sich die entscheidende Frage: wie kann man zusammen und dennoch anders und divers sein?“

 

(UN)GERÜSTET ZUM LEBENSKAMPF (2019)

Zwei boxende Männer, Umstehende, orange Stoffe

Das Projekt im Kontext von ‚Bauhaus100‘ in Krefeld verbindet Elemente des Swingtanzens mit der Archaik des Boxens, um die Utopie des Bauhauses ebenso wie unsere Gegenwart zu befragen. Im Zentrum der installativen Performance steht ein Buzzer aus dem Kontext von Quizshows. Damit performative Sequenzen im Raum passieren, muss jemand der Zuschauer*innen ihn betätigen. Hörbar wird dann Swing, einige Performer*innen treten hervor und tanzen gekonnt, auch die Zuschauer*innen können nach Belieben einsteigen. Die Swingsequenzen dauern einige Momente an, brechen dann ab und werden erst auf erneuten Knopfdruck fortgesetzt. Aus den Tanzsequenzen schält sich allmählich ein Boxkampf heraus, der den Mechanismus des Buzzerdrückens mit realer Gewalt kurzzschließt und mehrere gesellschaftliche Fragen aufwirft. Auch zur Fortsetzung des Boxkampfs muss stets der Buzzer gedrückt werden. Die Zuschauer*innen sehen sich in einen Dissens verwickelt, ihre Schaulust zu befriedigen oder durch ausbleibendes Buzzerdrücken das Ende der Aufführung zu verantworten – sie müssen sich selbst aktiv zu Fragen der Solidarität verhalten.

Regie: Sebastian Blasius / Installation: Ralf Ziervogel / Sound: Bojan Vuletic
Performance: Miriam Arnold, Alina Reißmann, Jakob Boeckh, Gabriel Carneiro, Adrian Sky Karategin, Gabriel Ruscic